Ein Fischtöter tötet deinen Fisch nicht, jedenfalls nicht sicher. Klingt komisch bei dem Namen, ist aber so: Der Schlag auf den Kopf betäubt, und eine Betäubung kann wieder nachlassen. Was danach kommen muss, was das Gesetz dazu sagt und warum ich beim Herzstich heute vorsichtiger formulieren würde als noch 2022, zeige ich dir hier.
Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Der Schlag mit dem Fischtöter betäubt. Unmittelbar danach muss ein tötendes Verfahren folgen, meist der Kiemenschnitt.
- Richtige Stelle: direkt oberhalb und leicht hinter den Augen, kräftig. Reicht ein Schlag nicht, sofort nachschlagen.
- Betäubt ist der Fisch, wenn sich die Kiemendeckel nicht mehr bewegen und der Augendrehreflex fehlt.
- Ausnahmen ohne Betäubung gibt es nur für Plattfische und Aale, mit genau festgelegtem Verfahren.
- Ikejime steht nicht in der Liste der zulässigen Betäubungsverfahren. Mein Rat: in Deutschland immer erst mit dem Fischtöter betäuben.
- Ausbluten so früh wie möglich. Bei Dorsch zeigt eine Studie: innerhalb von 30 Minuten nach dem Tod.
1. Fisch töten: Warum der Schlag nur die halbe Miete ist
Viele haben es so im Kopf: Fisch landen, einmal kräftig drauf, fertig. Das Problem steckt im Wort „fertig“. Der Schlag ist eine Betäubung. Getötet ist der Fisch damit noch nicht sicher.
Ein kräftiger Schlag und der Fisch ist tot.
Der Schlag betäubt. Laut Humane Slaughter Association können Kopfschläge reversibel sein. Die Tierschutz-Schlachtverordnung (Anlage 1 Nr. 5.2) verlangt deshalb: „Ein den Tod herbeiführendes Verfahren muss unmittelbar danach durchgeführt werden.“
Die Humane Slaughter Association ist eine britische Tierschutzorganisation. Ihr Punkt ist simpel: Nach dem Schlag braucht es meist einen zweiten Schritt wie das Ausbluten. Sonst kann der Fisch wieder zu Bewusstsein kommen. Ein Fisch, der im Eimer wieder aufwacht? Will keiner. Du nicht, und der Fisch erst recht nicht.
Dass das keine Theorie ist, zeigt das norwegische Forschungsinstitut Nofima. Dort erholten sich manche Fische wieder, wenn sie nach der Betäubung zwischengelagert wurden. Das war Forschung, kein Angelsteg. Das Prinzip ist aber dasselbe: Wer nach dem Schlag den Fisch erst mal liegen lässt, riskiert, dass er wieder aufwacht.
Bleibt die Frage, was genau der zweite Schritt sein darf. Und da wird es spannend, denn der Herzstich, den viele von uns kennen, taucht im amtlichen Merkblatt aus Jena nicht auf. Dazu gleich mehr. Erst das Juristische.
2. Was das Gesetz verlangt (Stand 31.10.2026)
Vorweg: Das hier ist keine Rechtsberatung. Ich fasse zusammen, was im Bundesrecht steht. Was an deinem Wasser gilt, entscheiden zusätzlich dein Bundesland, die Gewässerordnung auf deinem Erlaubnisschein und im Zweifel die zuständige Fischereibehörde. Stand ist der 31.10.2026.
Die Grundregel: erst betäuben, dann töten
Das Tierschutzgesetz, § 4 sagt: Ein Wirbeltier darf nur unter wirksamer Schmerzausschaltung getötet werden. Und töten darf nur, wer die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten hat. Die Tierschutz-Schlachtverordnung, § 12 wird noch deutlicher: „Wer ein Wirbeltier tötet, muss es vorher betäuben.“ Für Fische steht in Abs. 10, dass sie unmittelbar vor dem Töten betäubt werden müssen.
Schlachtverordnung klingt nach Schlachthof. Die Formulierung in § 12 Abs. 3 ist aber allgemein: „Wer ein Wirbeltier tötet“. Ich lese das so: Auch wenn du als Angler am Wasser einen Fisch schlachtest, bist du gemeint.
Anlage 1 Nr. 9 nennt für Fische vier Betäubungsverfahren: Elektrobetäubung, stumpfer Schlag auf den Kopf, CO2 (nur bei Salmoniden) und Stoffe mit Betäubungseffekt. Am Wasser bleibt für uns Angler praktisch nur der Schlag. Außerdem soll die Zeit zwischen Fang und Betäubung so kurz wie möglich sein (Nr. 5.3).
Die Ausnahmen: Plattfische und Aale
Ohne Betäubung dürfen laut § 12 Abs. 10 nur zwei Gruppen getötet werden. Plattfische durch einen schnellen Schnitt, der Kehle und Wirbelsäule durchtrennt. Aale, wenn es nicht mehr als 30 pro Tag sind, durch einen Stich dicht hinter dem Kopf durch die Wirbelsäule und sofortiges Herausnehmen der Eingeweide samt Herz. Mehr dazu in Abschnitt 6.
Sachkunde und Mitführpflicht
Die nötige Sachkunde weist du laut einem örtlichen Merkblatt der Lebensmittelüberwachung Jena-Saale-Holzland in Thüringen (Stand 11.09.2024) mit dem Fischereischein oder der bestandenen Fischerprüfung nach. Wer gerade für die Prüfung lernt, findet das Thema Betäuben und Töten kompakt im Prüfungsteil meiner Angelschein-Seite.
Eine allgemeine Mitführpflicht für den Fischtöter habe ich in den Landesverordnungen nicht belegt gefunden. Manche Gewässerordnungen regeln das aber, also lies deine. Ohne Fischtöter kannst du einen maßigen Fisch allerdings nicht vorschriftsmäßig betäuben. Und wie ernst das genommen wird, zeigt eine Kontrolle in Rostock.
Etwa jeder zweite kontrollierte Angler hat falsch getötet.
Laut Nordkurier (2018, aktualisiert 2022) wurden in Rostock rund 40 Heringsangler kontrolliert. Etwa die Hälfte wurde beanstandet, weil sich die Fische im Eimer erholten. Das Bußgeld kann laut Artikel bis zu 5.000 € betragen.Mein Rat: Der Eimer ist kein Wartezimmer. Fisch raus, Schlag, Schnitt. Erst dann kommt der nächste Wurf.
Damit das klappt, brauchst du das richtige Werkzeug. Und da kommt es weniger auf die Optik an, als die meisten denken.
3. Der Fischtöter: Worauf es wirklich ankommt
Ein Fischtöter, im Englischen „Priest“ genannt, ist im Grunde ein kurzer, schwerer Knüppel. Kein Hightech, muss es auch nicht sein. Die Humane Slaughter Association nennt ihn bei sachgemäßer Anwendung eine humane Option. Eine Übersichtsarbeit von James et al. (2025, Animal Welfare) listet als Werkzeuge für den Betäubungsschlag unter anderem Holzknüppel, Messerrücken und Hammer.
Holz, Metall oder Messingkopf?
Am Markt gibt es den klassischen Fischtöter aus Holz, Modelle aus Metall oder Alu und welche mit schwerem Messingkopf. Ich nenne dir hier bewusst keine Marken. Das Material ist zweitrangig. Entscheidend ist, ob das Ding in deiner Hand im entscheidenden Moment funktioniert.
Meine Kriterien statt Marken
- Genug Masse: Der Schlag muss laut Verordnung ausreichend kräftig sein. Ein zu leichter Fischtöter verleitet zu mehreren halbherzigen Schlägen.
- Rutschfester Griff: Fischschleim und nasse Hände sind ein schlechtes Team.
- Handschlaufe: Damit er beim Ausholen nicht im Wasser landet.
- Griffbereit: Am Gürtel, an der Weste oder im Hip Bag, nicht ganz unten im Rucksack.
Mein Rat: Im Zweifel lieber den schwereren Fischtöter nehmen. Ein sauberer, kräftiger Schlag ist für den Fisch besser als drei zaghafte.
Das Werkzeug ist das eine. Wo und wie du schlägst, entscheidet aber, ob die Betäubung überhaupt sitzt.
4. Fisch betäuben: Schritt für Schritt
Die Humane Slaughter Association beschreibt die richtige Stelle ziemlich genau: direkt oberhalb und leicht hinter den Augen. Dort liegt das Gehirn nah an der Oberfläche und der Schädel ist am dünnsten. Zu weit hinten betäubst du nicht wirksam und beschädigst das Filet. Zu weit vorne verpufft der Schlag womöglich.
- Schnell sein: Zeit zwischen Fang und Betäubung so kurz wie möglich halten. Kein Eimer, kein Setzkescher zum Zwischenparken.
- Fisch fixieren: In einem nassen Tuch oder auf der Abhakmatte festhalten, Kopf frei.
- Kräftig schlagen: Mit dem Fischtöter auf die Stelle oberhalb und leicht hinter den Augen.
- Kontrollieren: Bewegen sich die Kiemendeckel noch? Dann sofort nachschlagen.
- Sofort weiter: Ohne Pause zum Kiemenschnitt.
Woran du erkennst, dass der Fisch betäubt ist
Das Merkblatt aus Jena nennt zwei Zeichen: keine Kiemendeckelbewegungen mehr und kein Augendrehreflex. Die Schweizer Vollzugshilfe sagt es von der anderen Seite: Bewegen sich Kiemendeckel oder Körper wiederholt, wird die Methode wiederholt.
Jetzt ist der Fisch betäubt. Und jetzt kommt die Frage, über die in jedem Angelforum gestritten wird.
5. Kiemenschnitt oder Herzstich?
Beides kennst du wahrscheinlich. Beides wird am Wasser gemacht. Aber nur eins davon findest du im amtlichen Merkblatt.
Der Kiemenschnitt
Das Thüringer Merkblatt aus Jena schreibt: Nach dem Betäuben sofort entbluten, üblich ist ein ausreichender beidseitiger Kiemenschnitt sowie das Ausnehmen. Im Fragenkatalog der sächsischen Fischerprüfung 2025 steht als Antwortoption „durch einen Schlag auf den Gehirnschädel und anschließenden Entblutungsschnitt“. Andere Fragen nennen „betäuben und per Kehlschnitt töten“. Der Katalog markiert die richtigen Antworten allerdings nicht.
Der Herzstich
Der Herzstich ist unter Anglern verbreitet. In einem unserer Videos von 2022 ist er auch zu sehen, dazu gleich mehr. Sachlich festgehalten: Das Merkblatt aus Jena nennt als Entblutung den Kiemenschnitt, den Herzstich nicht. Anlage 1 der TierSchlV nennt für Fische gar keine eigenen Tötungsverfahren, weder Herzstich noch Kiemenschnitt. Ein ausdrückliches Verbot habe ich dort allerdings auch nicht gefunden. Wer auf Nummer sicher gehen will, hält sich an das, was im Merkblatt steht.
| Methode | Vorteile | Nachteil (Quelle) |
|---|---|---|
| Kopfschlag mit Fischtöter: immer zuerst (außer Aal, Plattfisch) | Einzige praxistaugliche Betäubung am Wasser | Kann reversibel sein, tötendes Verfahren muss folgen (TierSchlV Anl. 1) |
| Kiemenschnitt (beidseitig): direkt nach dem Schlag | Im amtlichen Merkblatt genannt (Merkblatt Jena), Fisch blutet aus | Ohne vorherige Betäubung abgelehnt (SPCA, neuseeländische Tierschutz-NGO) |
| Kehlschnitt: nach dem Schlag; bei Plattfischen (Schnitt durch Kehle und Wirbelsäule) auch ohne Betäubung | In Prüfungsfragen (Fischerprüfung Sachsen) und TierSchlV genannt | Bei Plattfischen nur schnell und mit Wirbelsäule |
| Herzstich: nach dem Schlag | Unter Anglern verbreitet | Im Merkblatt Jena nicht genannt, dort steht nur der Kiemenschnitt |
| Ikejime: nach dem Schlag, für Erfahrene | Von der SPCA (neuseeländische Tierschutz-NGO) erfahrenen Anglern als Tötungsschritt nach dem Schlag empfohlen | Forschung begrenzt, Qualitätsvorteil nicht belegt (Akvaplan-niva 2025) |
Mein Rat: Kiemenschnitt auf beiden Seiten, direkt nach dem Schlag. Das ist die Variante, die im amtlichen Merkblatt steht. Wer im Prüfungsstress steckt, merkt sich: Schlag auf den Kopf, dann entbluten.
Wie so ein Kiemenschnitt in der Praxis aussieht, zeigt Peter in meiner Catch & Cook Challenge. Ab hier wird es auch fürs Abendessen interessant.
8h Catch & Cook Challenge: Zander, Barsch, Plötze? Was schmeckt am besten?Beim Abspielen lädt YouTube.Aus meinen Videos
Für die 8-Stunden-Challenge mit Zander, Barsch und Plötze habe ich Peter aus Bayern geholt. Fliegenfischer und passionierter Fischesser. Peter zeigt dort: Zum Verwerten ist ein gezielter Kiemenschnitt sehr effektiv. Mein dickgefressener 75er Hecht lag etwas über meinem persönlichen Entnahmefenster und durfte wieder schwimmen. Abends gab es Fisch.
Anders im Video bei Hubertus von 2022: Dort passte ein Hecht genau ins Entnahmefenster. Er wurde mit einem Betäubungsschlag betäubt und mit einem Herzstich getötet. Zurück auf dem Hausboot gab es Hechtbuletten. Heute würde ich eher zum Kiemenschnitt raten.
Der 75er Hecht zeigt übrigens den wichtigsten Punkt vor jedem Schlag: Muss der Fisch überhaupt mit? Wenn nicht, ist schonendes Zurücksetzen dran. Wie das sauber klappt, steht im Ratgeber zu Catch & Release von Better Fishing, meiner eigenen Köderbox. Und das passende Netz dafür findest du in meinem Beitrag zum richtigen Kescher.
Und wenn du wie in der Challenge gezielt Zander für die Pfanne fangen willst: Für genau diesen Fisch gibt es die Better Zander Box. Die stellen wir bei Better Fishing, meiner eigenen Box, mit unserer Jury zusammen: Markenköder speziell für Zander, mindestens 70 € Warenwert pro Box.
Hecht, Zander, Barsch: alles Kopfschlag plus Kiemenschnitt. Beim Aal aber gelten ganz andere Regeln.
6. Aal töten, Plattfisch, Hecht und Co.
Aal
Der Aal ist eine der zwei gesetzlichen Ausnahmen. Laut § 12 Abs. 10 TierSchlV darfst du ihn ohne Betäubung töten, wenn es nicht mehr als 30 Aale pro Tag sind. Dann mit einem Stich dicht hinter dem Kopf, der die Wirbelsäule durchtrennt, und sofortigem Herausnehmen der Eingeweide einschließlich des Herzens.
Betäubst du den Aal mit einem Schlag, gilt dasselbe wie bei allen anderen Fischen. Ein Vortrag des LALLF Mecklenburg-Vorpommern von 2014 betont: kräftig schlagen, danach sofort ein tötendes Verfahren. Mehr zum Aal und zum Zurücksetzen findest du in meinem Beitrag Aal angeln: zurücksetzen oder töten.
Plattfische
Bei Plattfischen erlaubt die Verordnung den schnellen Schnitt, der Kehle und Wirbelsäule durchtrennt, ohne vorherige Betäubung. Wichtig ist das Wort „schnell“.
Hecht, Zander, Barsch, Forelle töten
Für die klassischen Speisefische im Süßwasser gilt der Normalfall. Egal ob du einen Zander oder eine Forelle töten willst: Kopfschlag mit dem Fischtöter, Kontrolle, sofort beidseitiger Kiemenschnitt. Beim Hecht gilt genau derselbe Ablauf.
Kleine Fische: Blick in die Schweiz
Die Schweizer Vollzugshilfe von BAFU und BLV (2014) erlaubt Kopfschlag oder Genickbruch zusammen mit Kopfschlag. Genickbruch allein ist dort nicht erlaubt. Fische unter 22 cm müssen nicht entblutet werden, ab 22 cm muss nach der Betäubung umgehend entblutet oder ausgenommen werden. Achtung: Das ist Schweizer Recht. In den deutschen Quellen, die ich gelesen habe, steht keine solche Größengrenze.
Bleibt noch eine Methode, die gerade überall in Videos auftaucht und nach Profi aussieht.
7. Ikejime: Was wirklich dran ist
Ikejime kommt aus Japan. Dabei wird gezielt ins Gehirn gestochen, danach schiebt man einen Draht entlang der Wirbelsäule. Klingt nach Sterneküche. Die Forschung dazu ist aber dünn. Ein Konferenzposter von Akvaplan-niva (2025) spricht von begrenzter Forschung zu Wohlergehen und Qualität. Der oft versprochene Qualitätsvorteil ist nicht belegt.
Die neuseeländische Tierschutzorganisation SPCA empfiehlt den Hirnstich erfahrenen Anglern als Tötungsschritt nach dem Schlag. Sie weist darauf hin, dass die Lage des Gehirns je nach Art unterschiedlich ist. Heißt für mich: Wer die Stelle nicht sicher kennt, lässt es.
Mein Rat: Ich würde in Deutschland immer erst mit dem Fischtöter betäuben. Die TierSchlV verlangt die Betäubung vor dem Töten, und in der Liste der zulässigen Betäubungsverfahren (Anlage 1 Nr. 9) taucht Ikejime nicht auf. Wer Ikejime machen will, macht es als zweiten Schritt nach dem Schlag.
Ob Ikejime oder Kiemenschnitt: Fürs Filet zählt am Ende vor allem eine Sache, nämlich die Zeit. Und da gibt es eine Zahl, die mich überrascht hat.
8. Ausbluten und Kühlen: Die Uhr läuft
Laut dieser Studie war die Zeit vom Fang bis zum Ausbluten der wichtigste einzelne Faktor. Ausbluten verringert Blutreste, die Filets werden heller. Nofima hat außerdem beobachtet, dass im Meerwasser der Großteil des Blutes innerhalb von 3 Minuten nach dem Schnitt abfließt.
Ehrlicherweise: Das ist Dorsch. Ob sich die Werte eins zu eins auf Zander oder Forelle übertragen lassen, ist nicht belegt. Die Richtung ist aber klar: nicht trödeln.
Mein Rat: Schlag, Kiemenschnitt, kurz ausbluten lassen, dann ab in die Kühltasche. Lebend aufs Eis gehört der Fisch nie, dazu gleich mehr.
Ich finde, ein sauber ausgebluteter Fisch macht sich auch auf dem Grill besser. Wie du einen Zander dann zubereitest, steht in meinem Zander-Rezept zum Fisch grillen. Und wer lieber räuchert, schaut in meinen Beitrag zum Räucherofen.
So weit die Theorie. In der Praxis gehen trotzdem oft dieselben Dinge schief.
9. Die 5 häufigsten Fehler
1. Ersticken lassen im Eimer
Laut SPCA kann es bei manchen Arten bis zu fünf Stunden dauern, bis an der Luft die Kiemenbewegungen aufhören. James et al. (2025) halten fest, dass die meisten Wildfische durch Ersticken oder Ausnehmen sterben, und beides macht sie nicht sofort empfindungslos. In Rostock wurde genau der Eimer zum Problem.
2. Lebend aufs Eis
Die SPCA lehnt das ab. Auch Eiswasser hält sie nicht für akzeptabel: Die Körperreaktionen hören auf, die Gehirnaktivität bleibt.
3. Kiemenschnitt ohne Betäubung
Ausbluten ohne Betäubung führt laut der von James et al. zitierten EFSA (2004) zu schlechtem Tierschutz. Und es widerspricht der Betäubungspflicht.
4. Zu leichter oder gar kein Fischtöter dabei
Ohne Werkzeug wird improvisiert. Ein Stein oder ein zu leichter Fischtöter heißt oft: mehrere Schläge statt einem.
5. Zu spät ausbluten
Erst noch ein paar Fotos, dann noch der nächste Wurf. Die SPCA empfiehlt, den Fisch innerhalb von 10 Sekunden nach dem Schlag zu töten, also Kiemenschnitt oder Hirnstich. Wer Fotos will, macht sie danach.
Bleibt die Frage, die hinter all dem steckt. Warum der ganze Aufwand, wenn ein Fisch vielleicht gar nichts spürt?
10. Können Fische Schmerzen empfinden?
Hier streitet sich die Wissenschaft. Lynne Sneddon hat 2015 im Journal of Experimental Biology Schmerzrezeptoren bei Regenbogenforellen beschrieben. Verhaltensänderungen gingen durch Schmerzmittel zurück. Sie hält die Belege für Knochenfische für überzeugend.
Die Gegenposition vertreten Rose et al. 2014 in Fish and Fisheries. Sie trennen zwischen unbewusster Reizwahrnehmung und bewusstem Schmerz. Ihr Schluss: Fische empfinden wahrscheinlich keinen Schmerz.
Für uns am Wasser ist die Debatte entschieden, zumindest rechtlich. Das Gesetz verlangt die Betäubung, egal wie der Streit ausgeht. Und ehrlich: Ein sauberer Schlag kostet dich kaum Zeit.
Damit der Schlag sitzt, muss alles griffbereit sein. Hier meine Liste.
11. Checkliste: Dein Set zum Fisch töten
- Fischtöter mit genug Masse und Handschlaufe
- Scharfes Messer für den Kiemenschnitt
- Lösezange zum Abhaken
- Abhakmatte oder nasses Tuch
- Kühltasche mit Kühlakkus
- Fischereischein und Erlaubnisschein
- Gewässerordnung gelesen: Mindestmaß, Entnahmefenster, eventuelle Mitführpflicht
Mehr Catch & Cook, mehr Hecht, mehr Zander: Auf meinem Kanal „Ich geh‘ angeln“ siehst du, was am Wasser wirklich passiert.
Kanal abonnieren12. Häufige Fragen: Fische töten
Wie tötet man einen Fisch waidgerecht?
Erst mit einem kräftigen Schlag oberhalb und leicht hinter den Augen betäuben, dann sofort beidseitig per Kiemenschnitt entbluten. Betäuben und danach beidseitig entbluten steht so im Merkblatt der Lebensmittelüberwachung Jena, die Schlagstelle beschreibt die britische Humane Slaughter Association. Ausnahmen gelten nur für Aale und Plattfische.
Kiemenschnitt oder Herzstich, was ist besser?
Ich rate zum Kiemenschnitt, weil das Merkblatt der Lebensmittelüberwachung Jena ihn als Entblutung nennt, den Herzstich nicht. Beides gehört erst nach der Betäubung gemacht.
Wie tötet man einen Aal?
Laut TierSchlV darf ein Aal ohne Betäubung getötet werden, wenn es nicht mehr als 30 pro Tag sind: mit einem Stich dicht hinter dem Kopf durch die Wirbelsäule und sofortigem Herausnehmen der Eingeweide samt Herz. Betäubst du per Schlag, muss sofort ein tötendes Verfahren folgen.
Ist Ikejime in Deutschland erlaubt?
Ikejime steht nicht in der Liste der zulässigen Betäubungsverfahren der TierSchlV (Anlage 1 Nr. 9), und die Verordnung verlangt, dass ein Fisch vor dem Töten betäubt wird. Mein Rat: in Deutschland immer erst mit dem Fischtöter betäuben und Ikejime höchstens danach anwenden. Das ist keine Rechtsberatung, im Zweifel bei der Fischereibehörde nachfragen.
Woran erkenne ich, dass ein Fisch betäubt ist?
Die Kiemendeckel bewegen sich nicht mehr und der Augendrehreflex fehlt. Siehst du noch Bewegung, sofort nachschlagen.
Haben Fische Schmerzen?
Das ist wissenschaftlich umstritten: Sneddon (2015) hält die Belege für überzeugend, Rose et al. (2014) halten Schmerzempfinden für unwahrscheinlich. Rechtlich spielt das keine Rolle, betäubt wird in jedem Fall.
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Fischschupper: Barsch und Zander wehren sich mit Zähnen
Der Fisch ist sauber versorgt. Jetzt kommen die Schuppen, und die sind bei Barsch und Zander hartnäckiger als gedacht.
